Geschrieben von: Michael Wilms Dienstag, den 03. August 2010 um 10:43 Uhr
Zusammen mit Mittelstreckler Christophe Chayriguet (LG Telis Finanz Regensburg) wollte ich mir das Leichtathletik-Highlight des Sommers, die Europameisterschaften, nicht entgehen lassen. Also Flüge & Hotel gebucht und am Donnerstag (29. Juli) ging es nach Spanien. „Mit uns kommt die Wende!“ sagte Chris zur mir im Flugzeug - in Anspielung an das bis dato eher ernüchternde Abschneiden der deutschen Leichtathleten. Er sollte Recht behalten.
Am Abend schafften wir es gerade noch rechtzeitig ins Stadion, um Zeugen der Goldmedaillen von Speerwerferin Linda Stahl und dem „blonden Blitz“ (Zitat Bildzeitung) Verena Sailer zu werden. Wahnsinn, das Leichtathletik-Fieber hat uns sofort gepackt und der Kauf der Tickets hatte sich rentiert, obwohl wir an diesem Tag insgesamt nur noch fünf Entscheidungen sehen konnten.
Nach einer ausgedehnten Hotelsuche ging es kurz ins Viertel „El Born“. „Hier feiern die Einheimischen“, war die Empfehlung. Trotz schmucker Cocktail- und Tapas Bars war die Nacht nicht allzu lang für uns, denn am nächsten Morgen wollten wir zu den Entscheidungen rechtzeitig im „Estadi Olimpic de Montjuic“ (Olympiastadion von 1992) sein.
Mein persönliches Highlight des Barcelona-Trips stand an: Der 3000m Hindernis-Lauf meines Konkurrenten Steffen Uliczka. Mit einem überzeugenden Finish schaffte er die Qualifikation relativ locker. „Gegen den bin ich auch schon gerannt!“, das machte mich stolz, und dass er mir vor dem Lauf gewunken hat. Der Tag sollte aber noch weitere Höhepunkte bieten wie die Medaillen von Hammerwerferin Betty Heidler oder die der Stabhochspringerinnen. Bei meiner französischen Reisebegleitung sowie den zahlreichen Franzosen im Stadion sorgte ein Landsmann und Namensvetter von Christophe für Bomben –Stimmung: Christophe Lemaitre hat nach dem Sieg über 100m auch die 200m gewonnen. Noch lauter wurde es im Stadion erst beim 1500m Lauf der Männer, nicht nur weil die spanischen Mittelstreckler zu den Topfavoriten zählten. Wir zwei Leichtathletik-Touristen hatten an dem hohen Lautstärke -Pegel, wie die Bürger Barcelonas ihn sonst wahrscheinlich nur aus dem Fußballstadion „Camp Nou“ kennen, unseren Anteil. Als der deutsche Carsten Schlagen auf die Zielgerade einbog, schrieen wir uns auf der Tribüne die Seele aus dem Leib. Ich bin sicher, dass er nur dank unserer Anfeuerungsrufe den zweiten Platz erreichte.
Am Abend wurde ein touristischer Punkt abgehakt, der auf keiner Spanien-Reise fehlen darf. Eine große Pfanne Paella musste her. Dazu bestellten wir „dos cervezas grande“ (=2 große Bier). Als dann gleich zwei volle Maßkrüge Bier gebracht wurden, waren wir doch etwas überrascht. …eigentlich wie zuhause in München.
Wenn man die Teilnehmer kennt, ist die Aufregung vor den Starts gleich doppelt so groß. Am Samstag konnte ich zum ersten Mal bei meinen Vereinskollegen live mitfiebern. Die Leistungen der deutschen Staffel mit Tobias Unger und Marius Broening, sowie das Ergebnis von Stabhochspringer Fabian Schulze (alle von der LG Stadtwerke München) boten Anlass zur Freude.
Der 87.81 Meter Wurf von Matthias De Zordo ist leider etwas an mir vorbeigegangen, wohl auch deshalb, weil die Informationen zu den technischen Disziplinen vor Ort etwas bescheiden waren. Weiterer Kritikpunkt zum Veranstaltungsmanagement: Jedes Siegerinterview im Stadion beschränkte sich auf eine einzige, immer gleiche Frage „How do you feel right now?“(Wie fühlst du dich jetzt?). Das Maskottchen Barni sorgte zwar für ein paar Lacher, konnte aber nicht mit Berlino (Maskottchen bei der Leichtathletik WM in Berlin 2009) mithalten. Auch aus sportlicher Sicht gab es natürlich die eine oder andere Enttäuschung. Ich traute meinen Augen nicht - zumindest wollte ich es nicht, - als die 4mal 100m Staffel der Frauen das Holz verloren hatte. Schmerzlich vermisst habe ich Malte Mohr (LG Stadtwerke München) im Finale der Stabhochspringer.
Dennoch, es überwogen die positiven Emotionen aus dem Stadion und die Eindrücke einer lebendigen Stadt. Die Reise hat sich definitiv gelohnt. Ich kann jedem nur empfehlen Barcelona einen Besuch abzustatten. Auch ohne Leichtathletik EM ist es eine sehenswerte Stadt, auch wenn Sightseeing jetzt etwas zu kurz gekommen ist. Denn bereits Sonntag früh ging der Flieger nach Bayern und ich sagte „hasta luego Barcelona“ (=bis bald Barcelona).
Ein Traum allerdings hat weiterhin Bestand, ein solches Sportereignis nicht nur als Tourist, sondern auch als Teilnehmer zu erleben.
Fotos zur Reise auf der Facebook Seite von LG Stadtwerke München.
© 2010-2012 LG Stadtwerke München | Alle Rechte vorbehalten. | Login